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Tagesprotokoll zum Thema „mobiles Arbeiten“

Eins vorweg, dieses Protokoll dient ausschlie√ülich der Unterhaltung, beruht zumindest zum Teil auf einer wahren Begebenheit und hat nahezu keinerlei informativen Wert. ūüėČ

Es ist Sp√§tsommer bzw. Fr√ľhherbst. Mental bin ich schon auf Schmuddelwetter, Regen und Herbstst√ľrme eingestellt. Aber Hoch Lisbeth beschert uns pl√∂tzlich Mitte Oktober einen wunderbaren, sommerlich sonnigen Tag. Als Sonnenanbeterin ist diese Nachricht die pure Freude. WENN, tja wenn da nicht die Arbeit w√§re. Da ich bekannterma√üen weder Paketzustellerin, G√§rtnerin, Stra√üencaf√©betreiberin, Fahrradkurier (gibt es eine Kurierin?) oder Bauarbeiterin bin und auch sonst keiner T√§tigkeit nachgehe, bei der man sich im Freien aufh√§lt, habe ich wettertechnisch die A-Karte gezogen. Schade eigentlich. Oder…

Nix wie raus an die Luft!

Oder‚Ķ. ich schnappe mir mein Laptop und ziehe f√ľr heute auf die Terrasse. Jawoll, das ist eine Spitzenidee! So kann ich arbeiten UND die Sonne genie√üen. Los gehts!

√Ąh, wo setz ich mich hin‚Ķ Ach ja, gerade schnell die Abdeckung wegmachen, einen Stuhl runterheben und los geht’s. Warte mal, der Tisch ist aber arg dreckig. Nur schnell nen Lappen holen. Ja, so geht’s. Also, was brauche ich? Eigentlich nur das Laptop. Und Strom. Ich f√ľrchte, der Akku √ľbersteht keinen ganzen Arbeitstag. Wo ist denn nochmal der Schalter, der die Au√üensteckdose an- und ausschaltet. Ach ja, hier. die Kontrolleuchte leuchtet, Stecker ist drin. Hochfahren. Ist er schon oben? Ich seh mich irgendwie nur selbst. Ach ja, doch, da ist das Anmeldefenster. Passwort noch eingeben. Enter. Jetzt gehts aber los.

Von der Sonne geblendet

Mist, ich muss ganz sch√∂n die Augen zusammen kneifen. Ich hole mal lieber schnell die Sonnenbrille. Puh, so hell war es wohl doch nicht. Ich seh ja noch weniger. Vielleicht sollte ich mich doch ans andere Ende des Tisches setzen, damit ich den Busch im R√ľcken habe und nicht die wei√üe Hauswand‚Ķ √Ąh nein, das hilft auch nix. Jetzt ist es noch schlimmer. Also wieder zur√ľck. Vielleicht war die Sonnenbrille doch ganz gut. Naja, dunkel aber geht.

Also erstmal Mails checken. Ach ja, auf die Nachricht hab ich schon gewartet. Ich druck sie mal schnell aus. Immerhin funktioniert das WLAN zuverl√§ssig. Bei der Gelegenheit kann ich gleich noch den Ordner mit raus holen. Mist, Locher vergessen. Ach, den brauch ich eh nicht nochmal, ich geh nur kurz rein, loche das Papier mit der Nachricht und dann geh ich wieder raus. Jetzt geht’s aber los.

Rein und raus und rein und raus

Wo ist denn die Liste, was ich f√ľr die Kundin noch machen wollte? Mist, nat√ľrlich auch drinnen. Ich hol sie schnell. Wo ist denn die Datei? Ach ja, hier. Mann, ich seh aber wirklich schlecht. Und irgendwie ist es am gro√üen Monitor mit der Dockingstation auch angenehmer. Aber die Sonne scheint soooo sch√∂n. Hach, ich genie√üe es und schlie√üe einfach kurz die Augen. Aber der Auftrag will ja fertig werden. Also weiter. Puh, Excel ist ganz sch√∂n klein. Ich dreht mal die Ansicht h√∂her. Besser!

Nee, jetzt muss in Spalte „S“ was eingeben. Scroll, scroll, scroll‚Ķ Mist, verrutscht. War ich jetzt in Zeile 20 oder 21? Also wieder nach links. Aha, 20. Scroll scroll scroll zur√ľck zu Spalte „S“. Aaaah, ich hab ja gar keinen Nummernblock auf der Laptoptastatur. Oooommmm‚Ķ.

Nur schnell drucken

Also muss ich die Werte eben √ľber die normalen Zahlen eingeben. Hm, ich glaube, ich drucke mir die Liste kurz aus, dann kann ich markieren, was ich schon erfasst hab.

*steht auf*

*läuft nach drinnen*

*legt Papier nach*

*wartet*

*geht wieder raus*

In der Zwischenzeit hat eine Windb√∂e s√§mtliche Bl√§tter im Garten verteilt. Ich sammle schnell alles ein. Wo ist denn nur der Excel-Ausdruck? Jetzt werde ich aber langsam sauer. Ach ja, da isser ja. H√§ngt hinter’m Grill. Ich tacker ihn schnell an die Mail mit dran. Mist, der Tacker ist im B√ľro. Aufstehen, Tacker holen, tackern.

Also weiter. Boah, dauert das lang. Wenn ich immer so langsam arbeite, springen mir noch reihenweise die Kunden ab, weil sie nat√ľrlich nicht bereit sind, die √ľberfl√ľssige Zeit zu bezahlen. Verst√§ndlich. Ich k√∂nnte ja schnell die Tastatur anst√∂pseln, dann kann ich wenigstens besser tippen. Also rein, Tastatur abgeh√§ngt, am Laptop wieder angest√∂ppelt, weiter gehts.

Es wird immer wärmer

Puh, ist ganz schön heiß langsam. Ich hab ja völlig die Sonnencreme vergessen. Also schnell eincremen. Jetzt aber weiter. Halt nein, erst noch was zu trinken holen. So, jetzt. War die Sicht vorhin auch schon so schlecht oder wird das immer schlimmer? Ich kann ja kaum noch was sehen? Vielleicht sollte ich mir einen Karton holen und den Laptop rein stellen? Als Sichtschutz könnte das funktionieren. Ab in den Keller, Karton geholt, Laptop reingestellt.

Taugt auch nix.

Jetzt sehe ich mich nur selbst wie in einem Bilderrahmen. Oh Gott, warum hat mir noch niemand gesagt, wie bescheuert ich mit dieser Sonnenbrille aussehe?

Mir reicht’s! Bevor ich vor lauter Zorn den Karton samt Laptop auf den Komposthaufen schmei√üe, schnappe ich mir rausgeschleppten Kram, schleppe alles wieder rein, st√∂psle alles dorthin, wo es hingeh√∂rt, starte den Rechner neu, damit die Aufl√∂sung wieder stimmt und der Monitor auch merkt, dass das Laptop wieder in der Dockingstation h√§ngt, tausche die Sonnenbrille gegen die normale Brille und sitze nach knapp zwei v√∂llig ineffizienten Stunden in meinem B√ľro, genie√üe die Sonne durch’s Fenster und entschlie√üe mich dazu, dass mein n√§chster Computer ein Desktop-Rechner sein wird. Ganz ohne Mobilit√§t.